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Interview mit Stauf-Entwicklungsleiter Dr. Frank Gahlmann
„Effekt des Fadenzugs wird überschätzt" |
Fußbodentechnik | April 2004 |
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Dr. Frank Gahlmann ist Leiter der Produkttechnik bei Stauf. Er ist zuständig für die Entwicklung, die Anwendungstechnik und die Qualitätssicherung bei dem Klebstoffhersteller in Wilnsdorf. Anlässlich der Vorstellung des neuen Parkettklebstoffes WFR-S0 hat FussbodenTechnik ihn zu aktuellen Entwicklungen des Klebstoffmarktes befragt.
FussbodenTechnik: Wohin geht die Entwicklung bei Dispersions-Parkettklebern?
Dr. Gahlmann: Die Flüssig-Kohäsion-Anhaftung spielt eine wichtige Rolle. Das gilt im Prinzip für alle Klebstoffsysteme.
FussbodenTechnik: Was bedeutet der Begriff Flüssig-Kohäsion?
Dr. Gahlmann: Man kennt im Zusammenhang mit Hohlstellen dieses fadenziehende Bild der Kunstharzkleber. Es ist aber nur bedingt richtig, dass der Fadenzug dafür verantwortlich ist, dass wir keine Hohlstellen haben. Die sehr feinen Fäden erhärten nämlich und beim Laufen über das Parkett brechen sie auch wieder. Man überschätzt den Effekt des Fadenzuges.
FussbodenTechnik: Ist die Flüssig-Kohäsion denn eine Alternative zum Fadenzug?
Dr. Gahlmann: Ja, das ist ein alternativer Lösungsansatz, der schon bei den Polyurethanklebern genutzt wird. Die haben aufgrund ihrer Bindemittelzusammensetzung die Eigenschaft, dass sie eine sehr hohe Kohäsion in flüssiger Phase haben. Sie besitzen eine honigartige Konsistenz.
FussbodenTechnik: Bei dem neuen Kleber M2A-910 gibt es eine vorgegebene Längenbegrenzung von 1.000 mm. Wie ließe sich die Länge noch steigern?
Dr. Gahlmann: Der Knackpunkt liegt auf der der Verarbeiterseite. Würden die deutschen Parkettleger - wie ihre Schweizer Kollegen - mit Beschwerung arbeiten, könnten wir den Anwendungsbereich auf mehrschichtiges Parkett und auf Längen bis 2.400 mm ausdehnen. Ein weiterer Ansatzpunkt ist, durch Spachtelung eine wirklich ebene Oberfläche zu schaffen. Auf der Herstellerseite kann es nur eine Steigerung geben, wenn wir die Flüssig-Kohäsion erhöhen. Das wird für die nächste Zeit unser Schwerpunkt sein.
FussbodenTechnik: Wolfgang Stauf hat auf der Zentralverbandstagung Parkett gesagt, dass der neue Parkettklebstoff nur ein Zwischenschritt sei. Welcher Schritt wird danach folgen?
Dr. Gahlmann: Der nächste Schritt wird die Abschaffung der Lösemittel sein.
FussbodenTechnik: Das kann aber nur per Gesetz erfolgen?
Dr. Gahlmann: Der Druck auf diesen Klebern ist ja vielschichtig. Da muss man nur nach Holland gucken, wo Lösemittel in Klebern verboten sind und durch die Polizei verfolgt werden. Ein weiterer Aspekt ist die Berufsgenossenschaft. Die rechtliche Grundlage ist also da, nur fehlt die kontrollierende Instanz. Nicht zu unterschätzen ist mittlerweile die Sensibilität der Endverbraucher. In öffentlichen Ausschreibungen ist die Lösemittelfreiheit längst vorgeschrieben.
FussbodenTechnik: Sie hätten aber kein Interesse daran, den Verbraucher selbst auf dieses Thema aufmerksam zu machen?
Dr. Gahlmann: Die gesamte Branche wahrscheinlich nicht, weil es ja nicht nur bei Lösemitteln Absatzpunkte gäbe. Dann könnte man auch eine Kampagne gegen PU-Kleber machen. Es gibt genug toxikologische Stellungnahmen zu Isocyanaten. Bei der Feststellung von hohenVOC-Werten in der Raumluft befindet sich der Parkettleger in einer schwierigen juristischen Lage, wenn er mit Lösemittelklebstoffen gearbeitet hat.
FussbodenTechnik: Wird es bei Ihnen in nächster Zeit neue Klebstoffe für elastische und textile Bodenbeläge geben?
Dr. Gahlmann: Wir haben dort eine gut funktionierendes Produktprogramm, aber der Schwerpunkt liegt auf Parkett. Interessant sind für uns Beläge wie Kork und Linoleum. Im Kork-Bereich sind wir relativ gut mit zwei Produkten für die Einseit- und die Kontaktverklebung aufgestellt. Da die Beläge sehr anspruchsvoll sind, haben wir diese Klebstoffe in Zusammenarbeit mit Amorim entwickelt.
FussbodenTechnik: Gibt es noch immer den Ruf nach dem „einenKleber für alles“. Und können Sie solch ein Produkt überhaupt empfehlen?
Dr. Gahlmann: Die Forderung ist ungebrochen. Wenn ein Verarbeiter immer mit dem selben System arbeitet, braucht er sich keine Gedanken zu machen, welche Art von Baustelle er an dem folgenden Tag hat. Im Grunde genommen kommen dafür nicht zu weiche 1-KPU-Kleber in Frage.
Ihr Preis ist mittlerweile bezahlbar. Bleibt das Problem der Oberflächennutzung und des Isocyanatgehaltes. Da wären die SMP-Klebstoffe das richtige Mittel, liegen aber preislich heute noch höher.
FussbodenTechnik: Also liegt eine Menge Entwicklungsarbeit vor Ihnen?
Dr. Gahlmann: Wenn man die begrenzten Möglichkeiten der Dispersionskleber sieht und man davon ausgeht, dass die Lösemittelkleber keine große Zukunft haben werden, dann bleiben die SMP-Reaktivsysteme. Auf die werden wir unser Augenmerk setzen.
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