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Interview mit Stauf-Geschäftsführer Wolfgang Stauf
„Wir müssen uns stärker vom deutschen Markt unabhängig machen" |
FußbodenTechnik | April 2004 |
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FussbodenTechnik: Vor knapp zwei Jahren ist Stauf von Siegen nach Wilnsdorf umgezogen. Wie sieht Ihr bisheriges Fazit aus?
Wolfgang Stauf: Wir bereuen den Schritt auf gar keinen Fall: größerer Räumlichkeiten, alles ist moderner und es bieten sich ganz andere Möglichkeiten Insgesamt sind wir sehr zufrieden.
FussbodenTechnik: Wie lange dauert es eigentlich, bis eine völlig neue Produktionsanlage planmäßig läuft?
Wolfgang Stauf: Das Prinzip funktioniert wie eine Küchenmaschine: Deckel auf, alle Zutaten rein und umrühren. Unsere neuen Maschinen arbeiten allerdings mit höheren Antriebsleistungen und vermischen die Komponenten wesentlich besser. Das benötigte kleinere Anpassungen an den Rezepturen.
Unser Vorteil sind relativ kurze Durchlaufzeiten. Um einen Klebstoff von den Rohmaterialien bis zum fertigen Eimer zu produzieren, braucht man nur wenige Stunden. Anfangs haben wir das Werk Siegen parallel laufen lassen.
Erst als wir sicher waren, dass in Wilnsdorf die gewohnt hohe Qualität produziert werden konnte, ist Siegen abgeschaltet worden.
FussbodenTechnik: Man kann ja Klebstoffe nicht beliebig im Voraus produzieren. Wie schaffen Sie es, den Bedarf des Marktes abzuschätzen?
Wolfgang Stauf: Auf der einen Seite hat man Erfahrungen und kann recht genau vorhersagen, welche Produkte in welchem Moment benötigt werden. Auf der anderen Seite ist unsere Produktion sehr schnell. Die Produkte, die weniger oft und in kleinen Mengen nachgefragt werden, haben wir auf Lager. Auf die meisten Produkte geben wir mindestens 12 Monate Haltbarkeit.
Wir wissen aber, dass es zum Teil mehrere Jahre sind. Wir haben vor kurzem einen Klebstoff zurükbekommen, der in irgendeinem Lager versteckt und rund 20 Jahre alt war. Wir haben den Deckel aufgemacht, kurz umgerührt und der Kleber war weiter verwendbar. Wenn es Zement- oder Polyurethanprodukte sind, gibt es aber schon gewisse Einschränkungen.
FussbodenTechnik: Wie sehen die Perspektiven auf dem deutschen Markt und im Ausland k aus?
Wolfgang Stauf: Im deutschen Markt haben wir seit 1996 eine stetige leichte Abnahme der Mengen, sowohl bei teppich- wie bei Parkettklebstoffen. Und dieses zurückgehende Volumen teilen sich auch noch mehr Anbieter. Die Strategie muss sein, sich stärker vom deutschen Markt unabhängig zu machen und in ausländische Märkte zu gehen.
FussbodenTechnik: Welche Länder sind das?
Wolfgang Stauf: Zum einen bestehende Märkte in England, Niederlande, Belgien, Frankreich, Schweiz und Österreich. Dort wollen wir versuchen neue Kunden zu finden – entweder Händler oder Handwerker. Außerdem wollen wir in neu entstehende Märkte hineingehen: Kroatien, Tschechien, Polen, Bulgarien- aber auch weiter entfernt Länder wie Ukraine, Kasachstan, Russland, Estland, Lettland und Litauen.
FussbodenTechnik: Sind Sie bereits in diesen Ländern?
Wolfgang Stauf: Ja, vielleicht mit einem anderen Ansatz, als das ein großer Konzern machen würde. Die nehmen viele Millionen in die Hand, senden 50 Leute in die entsprechenden Länder und bauen dort Niederlassungen auf. Das können wir nicht leisten.
Bei uns betreiben freie Mitarbeiter aus den entsprechenden Ländern für uns Marktforschungen, um potentielle Kunden herauszufinden.
FussbodenTechnik: Verfolgen Sie als Klebstoffhersteller strategische Partnerschaften mit Bodenbelagsherstellern wie mit dem Korkhersteller Amorim ?
Wolfgang Stauf: Strategische Partnerschaften sehe ich hauptsächlich als Marketinginstrument. Wenn ich mich recht entsinne, hat auch Henkel verkündet, dass sie eine strategische Partnerschaft mit Amorim haben. Tatsache ist, dass sich Amorim mit mehreren deutschen Klebstoffherstellern unterhalten hat. Von daher sind wir kein Einzelfall. Bei uns ist es alte Tradition, mit den Bodenbelagherstellern zusammenzuarbeiten.
FussbodenTechnik: Aus der Branche hört man, dass auch Klebstoffhersteller Ihren eigenen Vertrieb mit Absatzforderungen massiv unter Druck setzen. Macht sich bei Ihnen die verstärkte Konkurrenzsituation bemerkbar?
Wolfgang Stauf: Es ist schon etwas heftiger geworden. Im Aufwärtstrend der 90er Jahre hat es wenig Preiskämpfe gegeben. Jeder hatte seine Umsatzzuwächse und seine Produktionsauslastung.
Jetzt geht es darum, den immer kleiner werdenden Kuchen aufzuteilen. In jüngerer Zeit werden Produkte zum Teil günstiger angeboten, als in den Jahren zuvor. Und das trotz steigender Lohn- und Rohstoffkosten. Mit Dumpingpreisen die Menge aufrecht zu erhalten, ist eine sehr ungesunde Entwicklung.
FussbodenTechnik: Bei der Sachverständigentagung Parkett in Kassel sagte der Sachverständige Norbert Strehle, dass der Anteil der Lösemittelkleber im Parkettbereich auf 60% zurückgegangen sei. Wie sehen Sie das?
Wolfgang Stauf: Es gibt eine offizielle Statistik vom Industrieverband Klebstoffe. Wir vermuten, dass dort politische Wunschmengen angegeben werden. Klebstoffhersteller möchten ihren Dispersionsanteil gerne positiv darstellen. Eigentlich ist der Anteil wasserbasierter Klebstoffe geringer.
Die Zahlen für lösemittelhaltige Parkettklebstoffe schwanken irgendwo im 70%-Bereich. Es mag ein, zwei, drei Prozent nach oben oder nach unten gehen, aber wir halten das für seriös. Mit unserem Marktanteil von etwa 40% können wir das in etwa hochrechnen.
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