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175 Jahre STAUF |
Fußbodentechnik und ParkettMagazin | Oktober 2003 |
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Die Geschichte von Klebstoffen in Deutschland ist eng mit dem Namen STAUF verbunden. Seit sechs Generationen im Familienbesitz, ist das Unternehmen heute ein weltweit anerkannter Hersteller von Bodenbelagsklebstoffen. Zum 175-jährigen Jubiläum wurde ein neuer Unternehmenssitz im südwestfälischen Wilnsdorf eingeweiht.
Die neue Produktionsanlage in Wilnsdorf ist eine der modernsten in Europa. In dem Gebäude stehen der Herstellung über 2.500 qm zur Verfügung. Das alte Werk im benachbarten Siegen wurde teilweise abgebaut. Das. 7.000 qm große Gelände soll verkauft oder vermietet werden. Planungen für eine neue Produktionsstätte hatten schon 1997 begonnen. Kurze Genehmigungszeiten machten die „grüne Wiese“ bei Wilnsdorf als Standort interessant. Mit Investitionen in Höhe von 10 bis 11 Mio. EUR entstand hier seit Herbst 2002 in wenigen Monaten eine komplett geschlossene, computergesteuerte Anlage, in welcher der Klebstoff erst bei der Endabfüllung ans „Tageslicht“ kommt.
Nach eigenen Angaben verfügt STAUF bei Parkettklebstoffen über das größte Produktprogramm am Markt. Die traditionelle Verankerung im Handwerk dieser Branche hat zu einem deutschen Marktanteil von 40 % geführt. Bei Klebstoffen für elastische und textile Beläge rangiert der Anteil um 10 %.
„Über die Verleimung von Holz wurden die ersten Klebstoffe für Parkettböden entwickelt“, erinnert sich Siegrid Stauf, die mit Ihren Söhnen Wolfgang und Volker Stauf das Unternehmen leitet. Das war nach dem 2. Weltkrieg. Forschung und Entwicklung führten 1952 zum ersten Parkettklebstoff auf Dispersionsbasis – STAUF Rapid M2A. Noch heute wird dieser Klassiker verarbeitet . In dieser Richtung geht auch die moderne Entwicklungsarbeit. STAUF möchte weg vom Image des reinen Lösemittel-Anbieters. Wolfgang Stauf: „Wir setzen die zukünftige Betonung auf Dispersionen. Die Forschung arbeitet daran, dass wasserbasierte Klebstoffe Fäden bilden und kaum Quellung mehr betreiben.“
Unter den vier unabhängigen Produktlinien, die das Fußbodengeschäft bei STAUF ausmachen, haben Dispersionskleber zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen Umfang von 6 %. PU-Kleber liegen zwischen 12 und 15 %. Lösemittelkleber beherrschen mit 80 % die Szenerie. Silylmodifizierte Polyether, silaterminierte Polyurethane und Pulverklebstoffe für Parkett bestreiten einen kleinen Teil. Wolfgang Stauf: “Unser Pulverklebstoff ist so flexibel eingestellt wie ein Dispersionskleber. Aber der Parkettleger mag selten Produkte, die er anrühren muss. Er will den Deckel aufmachen und den Kleber verstreichen.“
Das Warenwirtschaftssystem, das mit der Produktionsanlage vernetzt ist, gewährleistet, dass STAUF-Produkte qualitativ einwandfrei sind. Lückenlose Dokumentationen und Chargenrückverfolgungen sind eine Garantie für den Anwender.
Direkter Ansprechpartner für STAUF war traditionell der Handwerker. Das soll auch künftig so bleiben. Den Vertriebsweg möchte das Unternehmen aber stärker auf den Großhandel ausweiten. Gründe liegen in der Logistik. Einzelne Gebinde zu verschicken, ist zu teuer. Darüber hinaus kann der Handel eine bessere Beratung gewähren, weil er die ganze Produktpalette vorrätig hat. Direkt geliefert wird zudem an Parketthersteller, die ihr Produkt mit einem STAUF-Kleber getestet haben. Ausgeschlossen ist nur der Baumarktbereich.
Langjährige Kundentreue gewinnt das Unternehmen mit Serviceleistungen, zu denen Verlegeempfehlungen, Baustellenbesichtigungen und Schulungen gehören. Am neuen Standort ist ein 250 qm großer Präsentationsbereich eingerichtet worden, wo in Zusammenarbeit mit Herstellern von Parkettböden und Oberflächenschutz Schulungen durchgeführt werden.
Weil der deutsche Parkettmarkt gewachsen ist, produziert STAUF trotz Konkurrenz großer Konzerne und starkem Preisdruck immer noch die Menge Klebstoff, die vor 20 Jahren hergestellt wurde. Der heimische Verdrängungswettbewerb hat dazu die Ausrichtung ins Ausland gefördert. Auch hier kommen die Hauptwettbewerber allerdings aus Deutschland. Der Exportanteil liegt heute bei 35 bis 40 % vom Gesamtumsatz. Schon im laufenden Jahr 2003 glaubt Verkaufleiter Tim Schütter diesen Anteil um weitere 8 % ausbauen zu können. Ziel ist die 50 %- Marke.
STAUF ist europaweit vertreten – nur dort nicht, wo starke lokale Hersteller operieren (Italien) oder kleberfreie Verlegeformen, wie Nageln oder Schrauben, vorherrschen. Interessante Märkte bilden sich in osteuropäischen Staaten. Genannt werden Tschechien, Bulgarien und Baltikum. Aber auch im nahen und fernen Osten wird westeuropäische Technologie und Erfahrung nachgefragt.
Potential sieht STAUF schließlich in Nachbarländern „vor der Haustür“. Auslandsniederlassungen sollen gegründet werden, etwa in Frankreich, um regionalen Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Produziert wird aber weiterhin in Deutschland. Am Standort Wilnsdorf steht für Erweiterungen auf 20.000 qm der vierfache Platz heutiger Kapazität zur Verfügung.
Alle STAUF-Klebstoffe werden im Hause entwickelt und geprüft. Der Lebenszyklus eines Klebers beginnt zwei Jahre vor der Marktreife mit einer Idee; er wird zum Prototypen und dann auf größeren Flächen getestet – da kleine Flächen keine verwertbare Aussage zur Verstreichbarkeit ermöglichen. Im neuen Werk unterhält das Unternehmen einen eigenen Raum für Klima-Simulationen. Aber nicht nur im Labor, sondern im Feldversuch auf der Baustelle muss sich ein neuer Kleber bewähren, bevor er in den Markt geht.
STAUF geht vorsichtig mit Produktfreigaben um. Das hat über die Jahre zu niedrigen Reklamationsquoten geführt. Deshalb ist Wolfgang Stauf skeptisch gegenüber elastischen Klebstoffen: „Ein solches Produkt muss nicht schlecht sein, aber noch fehlt die Langzeiterfahrung mit diesen, aus der Dichtstoffindustrie kommenden Rezepturen. Lange Dielen bergen zum Beispiel die Gefahr, sich aufzustellen oder sich zu drehen und ein elastischer Kleber kann sie dann nicht am Boden halten. Solche Holzböden werden immer mehr mit PU-Klebern verlegt.“
Wichtig ist für den Klebstoffhersteller das Qualitätssiegel Emicode. Volker Stauf: Ohne EC1-Klassifizierung braucht man heute kein Produkt mehr auf den Markt zu bringen.“ Für ein zusätzliches Zeichen, wie den Blauen Engel, sieht man keinen Bedarf.
„Wir haben rund 90 % der vorhandenen Parketthölzer getestet und können dazu eine Klebstoffaussage machen“, erklärt Wolfgang Stauf. „Wenn Parketthersteller ein neues Produkt haben, setzen wir uns mit ihnen in Verbindung und stellen unsere Rezepturen darauf ein.“
Als Ergänzung zur Kernkompetenz der Bodenbelagsklebstoffe bietet STAUF abgestimmte Produkte für den Untergrundaufbau – Grundierungen, Spachtelmassen, Entkopplungsunterlagen und Feuchtigkeitssperren. Auch Spezialklebstoffe, die in anderen Bereichen des Hochbaus eingesetzt werden, sind bei STAUF erhältlich.
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