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STAUF
Klebstoffwerk GmbH
Oberhausener Straße 1
57234 Wilnsdorf
Tel..: +49 (0)2739 301-0
Faks.: +49 (0)2739 301-200
 
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Turbo, Tempo und Co.

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Schnellsysteme für die Parkettverlegung liegen im Trend. Aber kann bei genauer Betrachtung dieser Systeme wirklich von einem technischen Fortschritt gesprochen werden? Muss nicht im Sinne des traditionellen Handwerks auch hier über ein „Tempolimit“ diskutiert werden, das entscheidende Vorteile für die Sicherheit und Langlebigkeit der gesamten Fußbodenkonstruktion mit sich bringen würde? Ein Plädoyer für Entschleunigungsmaßnahmen bei der Untergrundvorbereitung, Verklebung und Oberflächenbehandlung von Holzfußböden.
 
Was waren das für Zeiten, als ein Haus noch fürs Leben gebaut wurde, als zwischen dem Ausheben der Baugrube in den ersten wärmenden Strahlen der Frühlingssonne und dem Richtfest mindestens der Sommer vergangen war und bis zum Einzug auch der darauf folgende Winter. Schließlich sollten Betondecken und Mauerwerk hinreichend „durchtrocknen“. Die Handwerker waren persönlich bekannt und ohne Termindruck konnte die Ausstattung des Hauses in aller Ruhe ausgewählt werden. Nach ausführlichen Beratungen des Parkettlegermeisters fiel die Entscheidung für einen massiven Parkettboden, insbesondere mit Blick auf seine lange Haltbarkeit. Der Meister verlegte den Boden noch selbst, sein Lehrling ging ihm dabei zur Hand. Nach der Verklebung musste der Boden einige Tage ruhen, angesichts der jahrzehntelangen Nutzungsdauer und des noch in weiter Ferne liegenden Einzugstermins ein zu vernachlässigender Faktor. In weiteren Arbeitsgängen, über mehrere Tage oder Wochen hinweg, wurde geschliffen, lackiert und schließlich die Fußleisten angeschraubt. Bei der Abnahme fand sich die Familie des Auftraggebers zusammen mit dem Verleger vor Ort ein und eine bar bezahlte Abschlussrechnung war durchaus üblich.
Dagegen haben heutzutage Zeitdruck und Hektik eine Eigendynamik entwickelt, die oftmals den Blick auf das Wesentliche verstellt. Das gilt umso mehr für die Bauabwicklung. Dem Parkettlegermeister ist es dabei selten möglich, die Wichtigkeit des Einhaltens unabdingbar notwendiger Zeitabläufe zu vermitteln, vielmehr ist  „in Verzug setzen“ ein beliebtes Disziplinierungsmittel. Zudem muss er sich noch gegen Wettbewerber behaupten, die sich mangels Sach- und Fachkenntnis, oftmals auch grob fahrlässig, auf abenteuerlichste Arbeitsweisen einlassen.
Entsprechend weist der Trend in der Bodenbelagsbranche in Richtung neuer Schnellsysteme, die mit großen Versprechungen und hohem Werbeaufwand im Markt etabliert werden. Neue Absperrsysteme versprechen die sofortige Verlegereife junger Estriche, Wartezeiten nach der Parkettverklebung sind auf maximal 24 Stunden begrenzt, auch eine vollständige Oberflächenbehandlung sei an einem einzigen Arbeitstag zu bewerkstelligen. Die vermeintlichen Schnellsysteme werden dem Verleger vordergründig zu seinem Nutzen angeboten. Bei genauerer Betrachtung stellt sich dagegen schnell heraus, dass es sich im Wesentlichen um bereits seit längerem im Markt befindliche Produkte handelt, die aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften relativ schnelle Arbeitsabläufe ermöglichen. Neu ist  lediglich die plakative Auslobung als „Schnellprodukt“. In einigen Fällen wird dafür sogar ein technischer und baubiologischer Rückschritt in Kauf genommen, indem z.B. Grundierungen zum Einsatz unter wasserbasierten Parkettversiegelungen wieder höhere Lösemittelanteile enthalten, um schneller zu trocknen. Im Ergebnis führt dies zu einer entsprechend schlechteren GISCODE-Kennzeichnung.
Die Tabelle auf Seite XX gibt einen Überblick über sinnvolle Wartezeiten nach Aufbringung von Estrichen und Unterböden, von Grundierungen und Spachtelmassen sowie von Parkettklebstoffen, unterteilt in die jeweilige Rohstoffbasis. Sie zeigt zudem Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme auf.
Schnellsysteme für die Parkettverklebung basieren überwiegend auf  Reaktionsharzen. Zur zügigen Aushärtung, speziell von Polyurethanklebstoffen, sind aber Inhaltsstoffe notwendig (z.B. Isocyanate), die einen solchen Prozess bewirken. Damit verbunden sind mitunter Gesundheitsrisiken für den Verleger, z.B. in Form von Allergien und Hautausschlag. Zu einer ökologischen und verarbeiterfreundlichen Verklebung können diese Produkte daher weit weniger beitragen, als vollmundige Werbung in dieser Richtung oftmals verspricht.
Abgesehen von der technisch also durchaus gegebenen Möglichkeit, einen Parkettboden ausnahmsweise auch unter Zeitdruck anwendungssicher verlegen zu können, stellt sich die Frage, welche wirklichen Vorteile mit einem „Schnellsystem“ für den Verleger einhergehen? Bei der Betrachtung der konventionellen Parkett- oder Bodenbelagsverlegung ergeben sich aus den einzuhaltenden Wartezeiten doch in der Regel notwendige Sicherheitsreserven für eine langfristig schadensfreie Handwerksleistung. Nicht zuletzt trägt das Abwarten der Trocknung eines Estrichs auch zur Verringerung der übrigen Baurestfeuchte bei. Zwar erlauben Systeme, die Estrichfeuchte zur Oberfläche hin absperren, eine frühere Oberbelagsverlegung, das im Rohbau enthaltene Wasser ist jedoch nach wie vor vorhanden. Die Verklebung von Parkett ist unter ungünstigen Umständen erst nach entsprechender, zeitaufwändiger Vorbereitung (z.B. Fräsen und Spachteln des Unterbodens etc.) möglich. Letzteres kann auch durch einem Reaktivklebstoff, der innerhalb von 24 Stunden aushärtet, nicht  beschleunigt werden. Vielmehr kann Zeitdruck in einem solchen Fall dazu führen, dass eigentlich notwendige Maßnahmen zur Untergrundvorbereitung ausbleiben. Hier wird gerne übersehen, dass dies zwar in vielen Fällen, aber leider nicht immer schadensfrei bleibt. Folge ist dann die komplette Entfernung des eingelegten Parketts mit anschließender, kostenintensiver Neuverlegung.
Im Bereich der Oberflächenbehandlung von Parkett kommt hinzu, dass für ein einwandfreies, optisch ansprechendes Erscheinungsbild, vor allem nach der Verlegung von Massivparkett, ausgiebige Schleifarbeiten durchgeführt werden müssen. Wenn aus Zeit- und Kostengründen notwendige Schleifgänge eingespart werden oder nicht sorgfältig genug gearbeitet wird, sind unschöne Ergebnisse auf der endbehandelten Fläche sichtbar. Ein Versiegelungssystem, dass einen Arbeitstag einspart, nützt dann niemandem.
Fazit: Systeme für eine zügige Parkett- oder Bodenbelagsverlegung stehen schon längere Zeit zur Verfügung. Jeder namhafte Hersteller hat entsprechende Produkte in seinem Programm. Nach entsprechender Abwägung bzw. anwendungstechnischer Beratung können diese auch eingesetzt werden. Sie sollten jedoch immer auf die spezifische Verlegesituation abgestimmt sein, um dem Verleger und Endverbraucher ein Höchstmaß an Sicherheit zu garantieren. Das offensive Anpreisen von Schnellsystemen mag dem Hersteller kurzfristig höhere Marktanteile sichern. Langfristig besteht jedoch die Gefahr, Ansprüche zu wecken, die bei der ganzheitlichen Betrachtung der Fußbodenkonstruktion oftmals nicht haltbar sind. Welcher Vorteil bleibt dem Verleger, wenn er extrem knappe Zeitvorgaben bereits seitens seines Auftraggebers erhält? Welche Möglichkeit zur doch gelegentlich notwendigen Nachbesserung besteht bei derart unter Termindruck auszuführenden Objekten? Die handwerkliche Leistung kann in ihren Zeitabläufen nicht beliebig gesteigert werden, andernfalls muss dies zwangsläufig zu Lasten der Qualität der Ausführung gehen.
Gerade im Hinblick auf die ökologisch überaus positive Bilanz eines Parkettfußbodens, gefertigt aus über Jahre nachwachsendem Naturrohstoff Holz, unter wochen- und monatelanger Konditionierung in der Parkettherstellung, auf jahre- oder gar jahrzehntelange Nutzung ausgelegt, scheint es geradezu absurd, ausgerechnet bei dem wichtigstem Arbeitsschritt, dem „Einbau“, die Faktoren „Zeit“ und „Geschwindigkeit“ zu den beherrschenden Parametern zu machen.

Der Verfasser Richard Hlubek ist Anwendungstechniker bei der Fa. STAUF Klebstoffwerk GmbH in Wilnsdorf, einem renommierten Hersteller von Parkett- und Bodenbelagsklebstoffen. 
 

 

 
  Wartezeiten Vorteile Nachteile Anmerkungen
Estriche und Unterböden:        
Trockenestriche 1 Tag Trocken, sofort belegbar  Oft geringe Oberflächenfestigkeit und geringe Biegsteifigkeit  Nicht für alle Klebstoffsysteme und Parkettarten geeignet
Holzunterböden
(V100, OSB)
1 Tag  Trocken, sofort belegbar  Je nach Dicke geringe Biegsteifigkeit bei einlagiger, schwimmender Ausführung  Bei entsprechendem Aufbau gut für Parkett geeignet
Schnellestriche, Estrichbeschleuniger 3 - 7 Tage  Schnelle Belegreife  Feuchtemessung oft nicht definiert  Verlegereife für den Verleger oft nicht nachprüfbar
Vom Estrichhersteller vorgeschriebene Absperrsysteme 3 - 7 Tage  Belegreif nach Aushärten der Beschichtung, Verringerung von trocknungsbedingten Estrichverformungen  Zusätzlicher Material- und Arbeitseinsatz, Feuchte wird vorübergehend eingekapselt, nur für Zementestriche anwendbar  Nicht alle Klebstoffsysteme einsetzbar, oft Systembindung mit relativ teuren Verlegewerkstoffen
Beschleunigte („künstliche“) Bautrocknung  ab 7 tage  Gesamtbautrocknung, deutlich vermindertes Risiko von Feuchteschäden  Zusätzlicher Geräte- und Energieeinsatz, Überwachung notwendig, bei hohen Estrichdicken Verlegereife oft schwer erreichbar  Bei ordnungsgemäßer Durchführung Idealbedingungen zur Verlegung
Vorstriche, Grundierungen,
Spachtelmassen:
       
Dispersionsgrundierungen 30 min - 1 Tag  Sehr umwelt- und verarbeiterfreundlich  Trocknungszeit klimaabhängig, Wartezeit bei feuchteempfindlichen Untergründen höher  Unter Dispersionsklebstoffen oder Spachtelungen obligatorisch
Lösemittelgrundierungen 30 min  staubbindend, haftvermittelnd, schnelltrocknend  Lösemittelhaltig, hohe Anfangsemissionen, Explosionsgefahr  Unter Lösemittelklebstoffen obligatorisch, laut Gefahrstoffverordnung nur mit Atemschutz zu verarbeiten
PU-Grundierungen 1Std. - 15 Std  staubbindend, haftvermittelnd, Verfestigung der Oberfläche  Oft längere Trocknungszeiten, kennzeichnungspflichtig  Arbeitsschutzmaßnahmen beachten, nur in Ausnahmefällen unter Reaktivklebstoffen (PU oder SMP)
Epoxydharzgrundierungen  4-15 Std  staubbindend, haftvermittelnd, Verfestigung der Oberfläche, Dampfbremse möglich  Anmischen notwendig, eingeschränkte Verarbeitungszeit, kennzeichnungspflichtig, oft zusätzliche Absandung notwendig  Arbeitsschutzmaßnahmen beachten, nur in Ausnahmefällen unter Reaktivklebstoffen (PU oder SMP) oder vor Spachtelungen
Parkettklebstoffe:        
Dispersionsklebstoffe 5 - 10 Tage  Angenehme Verarbeitung, lösemittelfrei, preiswert, umwelt- und verarbeiterfreundlich  Wasserhaltig, evtl. Quelldruck im Parkett, Wartezeiten für nicht saugfähige Untergründe ungeeignet  Hohe Sorgfalt und angepasste Arbeitsweise notwendig, nicht für alle Unterböden und Parkettarten geeignet
Pulverdispersionsklebstoffe 2 - 5 Tage  Angenehme Verarbeitung, lösemittelfrei, schnelle Abbindung, geringe Quellung  Anmischen erforderlich, eingeschränkte Verarbeitungszeit  Bei angepasster Arbeitsweise für nahezu alle Parkettarten geeignet, Hohlstellenproblematik geringer als bei konventionellen Dispersionsklebstoffen
Lösemittelklebstoffe 2-  5 Tage  Bewährtes System, einfache Verarbeitung, relativ preiswert Lösemittelhaltig, hohe Anfangsemissionen, Emissionen oft nach Wochen noch nachweisbar, Geruchsreklamationen seitens des Auftraggebers  Für nahezu alle Untergründe und Parkettarten geeignet, je nach Klebstoff laut Gefahrstoffverordnung nur mit Atemschutz zu verarbeiten
Polyurethanklebstoffe 1 - 2 Tage  Schnelle Abbindung, lösemittelfrei, 1 K-Produkte einfach zu verarbeiten  Allergiepotenzial, i.d.R. kennzeichnungspflichtig, bei 2 K Produkten: Anmischen, eingeschränkte Verarbeitungszeit, Klebstoffverschmutzungen schwer entfernbar  universelle Eignung für nahezu alle Unterböden und Parkettarten, Schutzmaßnahmen erforderlich
Polymerklebstoffe (SMP) 1 - 2 Tage  Schnelle Abbindung, lösemittelfrei, kennzeichnungsfrei, einfach zu verarbeiten  Höherer Preis, elastische Mechanik nicht für alle Parkettarten geeignet, kann Weichmacher enthalten  Vor allem für Fertigparkett sehr gut geeignet

 

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