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09 Mar 2014
Wirtschafts REPORT

(K)leben mit Nachhaltigkeit

„Bitte keine Fotos!" Der nur selten besetzte Leitstand, das Herzstück der im Oktober 2002 im Wilnsdorfer Gewerbegebiet Lehnscheid in Betrieb genommenen, automatisierten und computergesteuerten Produktion der traditionsreichen Siegerländer Stauf Klebstoffwerk GmbH, ist auch elf Jahre nach dem Umzug von der Frankfurter Straße in Siegen in die Oberhausener Straße in Wilnsdorf noch seiner Zeit voraus. Besonders in einem Punkt: „In elf Jahren war der längste Ausfall der Gesamtanlage nur acht Stunden, weil wir selbst in der Lage sind zu reparieren, zu improvisieren und uns vor zwölf Jahren für bewährte, deutsche Anlagentechnik entschieden haben. Das ist Nachhaltigkeit."

Nachhaltigkeit, das ist der Anspruch, mit dem die Geschäftsführer Wolfgang Stauf und Volker Stauf in sechster Generation die Geschicke des mittelständischen Klebstoff-Herstellers Stauf leiten. Das 185 Jahre alte Unternehmen erwirtschaftete mit 70 Mitarbeitern im Jahr 2013 einen Jahresumsatz zwischen 21 und 22 Millionen Euro. Volker Stauf: „Als 1998 unser Vater verstorben ist, war das kein Wendepunkt für unser Familienunternehmen, wohl aber ein gewaltiger Schnitt. Wir mussten schneller in diese großen Fußstapfen treten, als es geplant war, und hatten beide keine Möglichkeit, uns beruflich zu entwickeln." Volker Stauf steckte damals nach einem Abstecher ins Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Chemie in einem Betriebswirtschaftsstudium. Sein Bruder, Diplom-Chemiker Wolfgang Stauf, arbeitete an seiner Promotion. „Beides war mit einer Unternehmensführung nicht mehr vereinbar“, so Volker Stauf. „Auf der anderen Seite war uns beiden klar: Wir wollten in die Unternehmensführung. Wo anders hat man derart gigantische Entscheidungsmöglichkeiten?“

Allerdings war es nicht nur wegen des Todes von Vater Helmut eine besondere Zeit, denn die Entscheidung, Siegen als Produktionsstandort aufzugeben, war bereits gefallen. Damals betrug der Jahresumsatz rund neun Millionen Euro, investiert wurden rund 10 Millionen. Stauf: „Das war für uns eine gewaltige Hausnummer. Wir waren uns des Risikos aber durchaus bewusst und wussten, dass wir das, was wir heute machen, in der Frankfurter Straße nie hätten bewerkstelligen können. Dort gab es kein Zukunftspotenzial. Spätestens heute hätten wir auf die grüne Wiese gehen müssen.“ Die Vorteile des Umzugs ins Industriegebiet „Auf‘m Lehnscheid“ zwischen Wilnsdorf und Rinsdorf werden heute so deutlich wie nie. Stauf: „Es ist heute eines der größten Industriegebiete Südwestfalens mit einer perfekten Anbindung an die A45. Einen wesentlichen Teil hat die Gemeinde zu dieser Erfolgsgeschichte beigetragen: Hier sind die Wege zu den Entscheidungsträgern kurz. Hier sieht sich die Gemeinde als Dienstleister, selbst in Zeiten klammer Kassen. Für uns war wichtig, dass der Sprung nicht allzu groß war, so dass wir die Mitarbeiter mitnehmen konnten, und endlich da produzieren können, wo wir niemand stören.“

Die Folge: Schon sieben Monate nach dem Spatenstich am 5. März 2002 lief die Produktion in Wilnsdorf an. Schon weitere sieben Wochen später, am 16. Dezember, wurde die Produktion auf dem 6790 Quadratmeter großen, mischbebauten Grundstück in Siegen, auf dem fünf Stauf-Generationen produziert, verwaltet und gelebt hatten, eingestellt. Stauf: „Damals hatten wir nach einigen Erweiterungen in Siegen eine bebaute Fläche von 2500 Quadratmetern. Hier sind heute gerade mal 7862 der möglichen 22000 Quadratmeter bebaut, damit gibt es ganz viel Spielraum.“ Die Produkte: Um für die Globalisierung gerüstet zu sein und um auf dem Inlandsmarkt bestehen zu können, war und ist der Anspruch, dem Verlegekunden ein Produktsortiment anzubieten, „in dem es an nichts fehlt, um einen nachhaltigen Bodenbelag, Made in Germany' herzustellen". Mit der rasanten Entwicklung der Klebstoff-Technologie zu einer wirtschaftlichen und in puncto Festigkeit, Qualitätsstandard und Vielseitigkeit konkurrenzlosen Fügetechnik sind auch die Anforderungen der Endverbraucher an die Hersteller gestiegen. Stauf: „Für, was den Hochbau und das damit verbundene Handwerk angeht, haben deutsche Unternehmen weltweit den besten Ruf. Für uns zahlt es sich nun aus, dass wir an Know-how, an Personal und an Fertigungsmöglichkeiten alles im Haus haben, um jedem eine individuelle Systemlösung für die Fußbodentechnik anzubieten.“

Von der Untergrundvorbereitung bis zur Oberflächenbehandlung oder Pflege hat Stauf, spätestens seit der Übernahme der Firma beziehungsweise Marke Ibola - die im Bereich der Kunstrasen-Klebstoffe und der Klebstoffe für textile oder elastische Beläge zu den Marktführern gehört - alles im Angebot, was der Markt verlangt. Stauf: „Wir bewegen uns auf einem Markt, in dem bei einem Produkt, Made in Germany’ nicht darüber diskutiert werden muss, ob etwas zusammenpasst, funktioniert oder höchsten Ansprüchen gerecht wird. Das wird vorausgesetzt. Entsprechend groß sind die Erwartungen der Handwerker: Produkte verschiedener Hersteller zu verwenden oder mit verschiedenen Herstellern zu arbeiten, ist tabu, weil alle Kleb- und Baustoffe einer Systemreihe aufeinander abgestimmt sind.“

70 Mitarbeiter sind im Einsatz

Das Personal: Beim Umzug 2002 hatte Stauf 35 Mitarbeiter, heute sind es 70, davon rund 20 durch die Übernahme von Ibola. Bemerkenswert ist, dass die Produktion mit nur 20 Mitarbeitern auskommt. Aufgrund des hohen Automatisierungsgrades („Eine Schicht lässt sich heute mit drei bis sieben Leuten fahren.“) und einer computergestützten Hochregal-Lagerhaltung lässt sich die Produktions- und Liefersicherheit schon heute im Drei-Schicht-Betrieb gewährleisten. Da aber bereits in diesem Jahr zwei neue Produktionslinien aufgebaut werden sollen, ist abzusehen, dass Wachstum dauerhaft nur mit mehr Personal erreichbar sein wird. Doch besonders in einem der beiden Ausbildungsberufe (Industriekaufmann/Chemikant) gibt es seit jeher ein strukturelles Problem. Stauf: „Im chemisch-technischen Bereich bilden nur wenige im Siegerland aus." Für den Nachwuchs der Firma Stauf heißt das: Mobilität ist gefragt, denn die nächsten Berufsschulen für Chemiekanten liegen in Unna und Frankfurt. Stauf: „Wir haben eine Ausnahmegenehmigung für die schulische Ausbildung in Hessen erhalten. Bei der außerschulischen Ausbildung bieten wir zusätzlich Workshops und externe an. Wir fordern und fördern, um schnell praxisfeste Mitarbeiter zu haben.“

Auch aufs zweite Problem, die nachlassende Begeisterung für Naturwissenschaften, versucht Stauf Einfluss zu nehmen: Hier geht das Unternehmen mit Kontaktveranstaltungen und Projekten den Weg über die Multiplikatoren an der Universität Siegen oder an den Schulen. Praktikanten der Chemie-Studiengänge, angehende Chemie-Laboranten, Chemie-Lehrer aus der Region, aber auch Schüler gehen bei Stauf seit Jahren regelmäßig ein und aus, um sich in der Praxis Anstöße zu holen, wie „sich der Forschergeist junger Menschen wecken lässt“. Stauf: „Gerade für Lehrer halte ich eine solche Art der Fortbildung für sehr wichtig. Wer den Bezug zur Praxis hat, kann sich auch authentisch vor eine Klasse stellen.“

Der Markt: Dass es die sechste Stauf-Generation seit dem Umzug nach Wilnsdorf mit der Erweiterung ihrer Produktpalette geschafft hat, den Marktanteil im Inland stabil zu halten („Wir liegen seit Jahren zwischen 30 und 40 Prozent.“), war die Basis, um sich auch im Ausland zu platzieren. Der Vorteil ist: Auf dem Weltmarkt tummeln sich überwiegend deutsche Mitbewerber, die den gleichen wirtschaftlichen Zyklen und Zwängen unterliegen wie Stauf. Alle profitieren von einem stabilen Rohstoffmarkt. Stauf: „Als Nummer 3 in Deutschland nach der Metall- und Elektroindustrie ist die gut funktionierende Groß-Chemie für uns alle ein zuverlässiger Partner.“ Zugleich haben sich in Deutschland - wie zuletzt durch die bauaufsichtliche Zulassungspflicht für Parkettklebstoffe und Bodenbelagsklebstoffe - alle Hersteller gleichermaßen den wachsenden Anforderungen in punkto Verbraucher- und Umweltschutz zu stellen. Wird in der EU zu viel reguliert und reglementiert, zu viel ge- und verordnet? Stauf: „Es gibt zu viele Verordnungen, die übers Ziel hinausschießen. 80 Prozent einer Verordnung sind sinnvoll und machen 20 Prozent der Kosten aus. Problematisch sind die 20 Prozent, die in der Umsetzung nur noch Kosten verursachen. Das ist kontraproduktiv für jeden unternehmerischen Ansatz, Ressourcen effizient einzusetzen.“

Vertreten ist Stauf mittlerweile weltweit, seit 2000 auch in den USA. Seit 2008 baut Wolfgang Stauf von Memphis aus in einer eigenständigen Firma den Vertrieb für den nordamerikanischen Markt wieder auf, der unter der Immobilien- und Finanzkrise besonders zu leiden hatte beziehungsweise hat. Stauf: „Heute setzten wir dort wieder rund 20 Prozent unserer Produktion ab, das liegt etwa auf dem Vorkrisenniveau. Die Erholung ist aber schleppender als bei uns.“ Intensiv, aber mit viel Weitsicht werden heute auch die Märkte in den EU-Ländern, in Osteuropa, in Südamerika und in Asien bearbeitet. Stauf: „Man fängt klein an und entwickelt sich groß. Die Marktbearbeitung sollte nie euphorisch beginnen. Es ist ein langer Weg der kleinen Schritte, um nachhaltig Erfolg zu haben. Den bringen nur dauerhafte Geschäftsbeziehungen.“

Bodenständig und souverän

Die Ziele: „Bodenständig, souverän, neugierig, ehrgeizig". Das sind die vier Attribute, die heute plakativ und unübersehbar unter anderem in der Produktionshalle an eine lange, innovative Firmen- und Familientradition erinnern. Was verheißt dieser Anspruch für die Zukunft? Volker Stauf: „Viel Arbeit. Wir werden wachsen, organisch wachsen. Seit 2003 hat sich das Personal verdoppelt, das möchten wir in den nächsten zehn Jahren noch einmal schaffen. Wir werden nach und nach Produkte zurückholen und uns neue Märkte erschließen. Besonders im In- und Outdoor-Sportstättenbau und im Freizeit-Bereich sehe ich noch ein riesiges Entwicklungspotenzial, weil der Bereich ‚Wellness, Sport und Bewegung‘ für den einzelnen immer wichtiger wird und immer mehr Menschen bereit sind, in eine höhere Lebensqualität zu investieren.“

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