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Klebstoff­technologie seit 1828

Von der Leimsiederei zur modernen Klebstofffabrik

Seit ihrer Gründung im Jahr 1828 befindet sich die Firma STAUF in Familienhand. Inzwischen leitet mit Wolfgang und Volker Stauf die sechste Generation die Geschicke des Betriebes. Die bewegte Geschichte des Traditionsunternehmens ist eng mit dem wirtschaftlichen Wandel des Siegerlandes verbunden. Ihren Wendepunkt und damit auch ihren eigentlichen Anfang nahm die Erfolgs-Story der heutigen STAUF Klebstoffwerk GmbH nach dem Ende des zweiten Weltkriegs.

Experimente mit synthetischen Rohstoffen

Im Jahr 1946, als die Gebäude und Anlagen der STAUFschen Leimfabrik nach zwei Fliegerangriffen in Schutt und Asche lagen, experimentierte Dr. Werner Stauf in einer notdürftig eingerichteten Küche in Siegen mit synthetischen Rohstoffen. Seine Vision: Er wollte einen Klebstoff herstellen, der eine neue Ära in der Geschichte des Familienunternehmens einläuten sollte. Der bisher produzierte Hautleim, den das Unternehmen aus Tierhäuten herstellte, rentierte sich nicht mehr. Während der Visionär sich in den Abend- und Nachtstunden seinen Versuchen widmete, machte er sich tagsüber als „Siffemann“ im ganzen Siegerland einen Namen.

Dr. Werner Stauf erfand synthetischen Klebstoff

Mit seinem Fahrrad radelte er bergauf, bergab, von Dorf zu Dorf, um seine selbst hergestellten Seifen zu verkaufen. Die Zeiten waren hart, wie so viele andere hatte die Familie Stauf ihren gesamten Besitz verloren. Schließlich brachten die nächtlichen Experimente das erhoffte Resultat – und mit der Erfindung seines ersten synthetischen Klebstoffs legte Dr. Werner Stauf den Grundstein für den Wiederaufbau des Unternehmens.

Dispersionsparkettklebstoff brachte den Durchbruch

Mit der Konzentration auf Klebstoffe für die Bauwirtschaft erschloss sich ein völlig neuer Absatzmarkt für das Unternehmen. Als 1952 der erste Dispersionsparkettklebstoff auf den Markt kam, war der Durchbruch geschafft. Mit Einführung des STAUF Rapid-M2A stieg der Umsatz, das Geschäft lief – der Übergang war gelungen. Damit war die Firma STAUF die einzige Leimfabrik im Siegerland, die den Wechsel vom tierischen Leim zum künstlichen Klebstoff vollzogen hat.

Patentschriften belegen zahlreiche Innovationen

Weitsichtig und unermüdlich hat Dr. Werner Stauf an der Verbesserung seiner Produkte gearbeitet und unzählige Innovationen auf den Weg gebracht. Davon zeugen die vielen Patentschriften im Firmenarchiv, ausgestellt vom Deutschen Patentamt in München.

Der Chemiker entwickelte unter anderem ein Verfahren zum Kleben von Polystyrol-Schaumstoffplatten auf Bleche, die als Dachbedeckung eingesetzt werden sollten und schuf damit eine sichere Alternative zum Verkleben mit leicht entzündlichem Bitumen. Den Willen, neue Wege zu gehen, bewies schon Firmengründer Eberhard Stauf, als er 1828 neben seiner Ledergerberei eine Leimsiederei eröffnete. Im Laufe ihrer Firmengeschichte hat sich die STAUF Klebstoffwerk GmbH vom kleinen Gewerbe zu einer modernen Fabrik entwickelt.

Bodenständigkeit als Teil der Firmenphilosophie

Den vorausschauenden Blick und die Bodenständigkeit der vorangegangenen Generationen hat sich die Familie Stauf trotz des immensen Wachstums bewahrt und beides fest in der Firmenphilosophie verankert. Modernste Technik und innovativ denkende Mitarbeiter sorgen für eine stetige Optimierung der hochwertigen Klebstoffsysteme für Boden-, Wand- und Outdoorbeläge. Die verlässliche Premium-Qualität der Klebstoffprodukte aus dem Siegerland basiert auf langjähriger Erfahrung und kontinuierlicher Weiterentwicklung des Sortiments.

1828 bis 1862 Eberhard Stauf: Gerber und Leimsieder

Eberhard Stauf (1790-1862)

Eberhard Stauf errichtete die erste Leimfabrik im Siegerland. Noch heute findet man seinen Namen in der Firmenbezeichnung der Kapitalgesellschaft Eberh. Stauf GmbH & Co. KG.

Stauf machte Überreste aus Gerberei zur neuen Einnahmequelle

Die Geschichte der Firma STAUF wurde auch vom wirtschaftlichen Wandel des Siegerlandes geschrieben. Das Zusammenspiel von Bergbau, Hütten- und Metallindustrie, verbunden mit land- und forstwirtschaftlicher Nutzung, prägten die Entwicklung der Firma. Dass sich diese von einer kleinen Leimsiederei zu einer modernen Klebstofffabrik entwickeln konnte, ist nicht zuletzt ihren einfallsreichen und weitsichtigen Führungscharakteren zu verdanken.

Gerberei-Handwerk hatte Tradition in der Familie

Die Holzgewinnung aus den Wäldern des Siegerlandes machte die Viehwirtschaft zur Grundlage einer ausgeprägten Lederindustrie. Aus den Chroniken der Stadt Siegen geht hervor, dass Johann-Jacob Stauf schon 1654 dem Beruf des Rotgerbers nachging. Auch die nachfolgenden Generationen übten diesen Beruf aus. So war auch Eberhard Stauf, der Gründer der Leimfabrik, in erster Linie Gerber. Davon zeugen in Siegen auch heute noch die vielen Straßennamen wie Lohgraben, Löhrtor oder Gerbereiweg, auch wenn die meisten Kalkgruben und Gebäude inzwischen aus dem Stadtbild verschwunden sind.

Als die napoleonischen Kriege und die Kontinentalsperre zu Beginn des 19. Jahrhunderts jedoch die Einfuhr von Tierhäuten aus Übersee unterbanden, bekam auch Eberhard Stauf die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen zu spüren und sah sich gezwungen, neben der Lederherstellung eine zusätzliche Erwerbsquelle zu erschließen, um seine Familie finanziell abzusichern.

Vom Gerber zum Leimfabrikanten

Eberhard Stauf hatte die Idee, die anfallenden Abfälle aus seiner Ledergerberei selbst zu Leim zu verarbeiten. Immerhin blieben bei der Herstellung von 100 Kilogramm Sohlleder 14 Kilogramm Fleisch- und Fettabfälle übrig, das sogenannte „Leimleder“. Alle bei der Lederherstellung nicht verwendbaren Teile wurden nun als sogenanntes Leimleder an die Leimsiedereien verkauft. Der neue Geschäftszweig brachte der Familie Stauf eine gewisse Unabhängigkeit von der Preispolitik der Lederindustrie, die immer mehr von Übersee beeinflusst wurde.

Herstellung des Hautleims

In den Hautleimfabriken musste das Leimleder zunächst gereinigt und anschließend in den sogenannten Äschergruben bis zu zehn Wochen lang in eine Kalkmilchbrühe eingelagert werden. Dadurch lockerte sich die Faserstruktur. Bei der anschließenden Leimlederwäsche wuschen spezielle Waschmaschinen die Kalkrückstände rund 48 Stunden lang mit frischem Wasser gründlich aus.

Siedevorgang

Erst dann begann der eigentliche Siedevorgang: Leimleder und Wasser wurden in großen offenen Siedebottichen erhitzt, um den Leim auszuschmelzen. Anschließend versetzten die Mitarbeiter diese konzentrierte Brühe mit Konservierungsmitteln, füllten sie in rechteckige Kästen und brachten sie in Kühlräumen zum Erstarren. Nach dem Erkalten lösten sie die Gallertblöcke aus den Kästen und schnitten sie in handliche Tafeln, die in speziellen Bauten trocknen mussten.

1862 bis 1900 Wilhelm Stauf: Vom Handwerk zur Fabrik

Wilhelm Stauf (1831-1906)

Wilhelm STAUF, Sohn des Firmengründers, gab das Gerbereigewerbe auf und modernisierte die Siegener Leimfabrik.

Nach dem Tod des Firmengründers Eberhard Stauf übernahm dessen Sohn Wilhelm im Jahr 1862 die Leitung der Firma und modernisierte die Siegener Leimfabrik. Zwar blieb das traditionelle handwerkliche Verfahren der Hautleimherstellung bis ins späte 19. Jahrhundert unverändert. Doch technische Neuerungen ermöglichten nun die ganzjährige und wesentlich effizientere Leimproduktion.

Gründung der Stift Keppeler Filzfabrik

Wilhelm Stauf beteiligte sich außerdem an anderen, „lederfremden“ Industrien: Zusammen mit Eduard Giesler aus Siegen sowie den Gewerbetreibenden Vollpracht und Weiss aus Hilchenbach gründete er die Stift Keppeler Filzfabrik. Diese war später zeitweilig die größte Filzfabrik Deutschlands, die Tierhaar verarbeitete, das bei der Hautverarbeitung in den Gerbereien angefallen war. Die Mitarbeiter wuschen, trockneten und lockerten das Tierhaar. Dann pressten sie es zu einem Vlies.

Neues Kapitel der STAUF Firmengeschichte

Als Unternehmer erkannte Wilhelm Stauf die Zeichen der Zeit: Er gab das unrentabel gewordene Gerbereigewerbe auf und eröffnete damit ein neues Kapitel der Firmengeschichte. Nun arbeitete der Sohn des Firmengründers an der Erschließung neuer Eisenerzgruben und beteiligte sich mit seinem Schwiegersohn Emil Peipers an der Gründung einer bis heute bedeutsamen Walzengießerei.

1900 bis 1930 Ernst Stauf und Richard Stauf: Blütezeit und Krisenjahre

Die Brüder Ernst (1862-1949) und Richard Stauf (1868-1956) führten das Unternehmen gemeinsam durch turbulente Jahrzehnte.

Richard Stauf (1868-1956)

Als die Brüder Ernst und Richard Stauf im Jahr 1900 die Leitung der Siegener Leimfabrik übernahmen, begann eine kurze Blütezeit der Hautleimindustrie. Die eingeführten technischen Produktionsverfahren hatten die Leimqualität deutlich verbessert. Vor dem Siedevorgang konnte nun das Leimgut mit Pressen entwässert und anschließend mit Dampf schonend erhitzt werden. Die zehnprozentige Leimbrühe musste dann nicht mehr offen verkocht werden, sondern wurde in einem Vakuumverdampfer auf einen Leimgehalt von 30 bis 45 Prozent gebracht.

Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet

Aus der erstarrten Gallerte wurden wieder Tafeln geschnitten, die dann im beheizten Trocknungsbau nur noch 10 bis 14 Tage trocknen mussten. Doch die Zeiten wurden schwieriger. Die Gruben- und Hüttenindustrie im Siegerland kämpfte damals mit der Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet. Holzkohle war zu dieser Zeit schon längst nicht mehr der Brennstoff für die heimischen Hochöfen.

Leimleder musste importiert werden

Und da die Viehwirtschaft, die eng an die Holzproduktion gekoppelt war, ebenfalls unter diesen Umständen litt, konnte die Leimfabrik ihren steigenden Rohstoffbedarf nicht mehr aus den Gerbereien der Region decken. Das Leimleder für die Gerbereien im Siegerland musste deshalb zunehmend aus Übersee importiert werden. Das verschärfte die ohnehin schon bedrohliche Situation in vielen Betrieben weiter. Auch im Hause Stauf sorgte die Rohstoffbeschaffung für die Leimsiederei zunehmend für Probleme.

Rohstoffbeschaffung wurde zur Existenzbedrohung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts drängten die norddeutschen Regionen die Lederindustrie aus dem Siegerland immer weiter zurück, denn an der Küste konnte Leder schneller und günstiger produziert werden. Auch Fertigimporte trugen ihren Anteil daran, dass die Rohstoffbeschaffung für die regionalen Hautleimfabriken zur Existenzbedrohung wurde. Das mit speziellem Quebrachoholz gegerbte Leder aus den großen Leimfabriken in Hamburg und Schleswig-Holstein eignete sich nur bedingt zur Leimherstellung. So kam es, dass von 140 Haut- und Knochenfabriken, die vor dem ersten Weltkrieg in Deutschland produzierten, im Jahr 1920 nur noch 88 übriggeblieben waren.

Fabrik im Ersten Weltkrieg stillgelegt

Der Erste Weltkrieg beendete schließlich endgültig den Aufschwung der Hautleimindustrie in Siegen und stellt eine Zäsur in der Geschichte der Firma STAUF dar. Obwohl die Nachfrage nach Leim ungebrochen war, machten die Kriegswirren und der Rohstoffmangel eine rentable Produktion unmöglich. In der Folge mussten die Gebrüder Stauf die Leimfabrik von 1915 bis 1920 stilllegen. Von den rund 140 Haut- und Knochenleimfabriken, die es vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland gegeben hatte, waren 1920 nur noch 88 tätig.

Wirtschaftskrise vernichtet Hoffnungen

In den Nachkriegsjahren erlebte die Hautleimindustrie bis 1923 einen kurzen Aufschwung. Als sich jedoch der Welthandel reorganisierte, verschärfte sich auch die Konkurrenzsituation auf dem Rohstoffmarkt. Die Wirtschaftskrise und die politischen Unruhen ab 1929 machten alle Hoffnungen auf eine Erholung zunichte.

1930 bis 1961 Dr. Werner Stauf: Vom Haut- zum Kaltleim

Dr. Werner Stauf (1900-1987)

war im Siegerland auch als der "Siffemann" (Seifenmann) bekannt, weil er in den Nachkriegsjahren mit dem Fahrrad selbst hergestellte Seife auf den Dörfern verkaufte.

Es waren schwierige Bedingungen, unter denen Dr. Werner Stauf im Jahr 1930 die Leitung des väterlichen Betriebes übernahm. Die Nationalsozialisten waren an der Macht und die „Reichsstelle Chemie“ kontingentierte das Leimleder mit strenger Hand. Die Firma STAUF war dadurch gezwungen, die Produktion stark einzuschränken. Im Dezember 1939 erfolgte gar die staatliche Anordnung, die Leimfabrik STAUF zu schließen und sich einer „Arbeitsgemeinschaft“ anzuschließen.

Staatlich angeordnete Schließung

Die politisch gewollte Abkapselung von den internationalen Beschaffungsmärten für Leimleder führte im Dezember 1939 schließlich zur staatlich angeordneten Schließung der STAUFschen Leimfabrik in Siegen.
Die Leimleder-Kontingente der Siegener Hautleimfabriken wurden ab 1940 in der Freudenberger Leimfabrik Otto Nöll verarbeitet. Und wie so oft in der Geschichte der Firma Stauf eröffnete auch in dieser Ära der Erfindungsreichtum einen Ausweg aus der Not: Dr. Werner Stauf, der mit 25 Jahren zum Thema Gelatine promoviert hatte, entwickelte ein Verfahren, um aus Schleifpapier- und Schleiftuchabfällen den darin enthaltenen Hautleim zurückzugewinnen.

Wiederaufnahme der Produktion

Diese Entdeckung ermöglichte die Wiederaufnahme der Produktion: Von 1941 bis 1944 wurden sämtliche Schleifmittelabfälle aus Deutschland in der Siegener Fabrik wiederverwertet. Doch auch diese Produktionsweise der Firma SAUF fand vor Ende des Zweiten Weltkrieges ein abruptes Ende: Bei zwei Luftangriffen am 16. Dezember 1944 und am 1. Februar 1945 wurden die gesamten Fertigungsanlagen sowie alle Roh- und Fertigwarenbestände vernichtet. Die Familie STAUF verlor dadurch ihr gesamtes Vermögen.

Spezialisierung auf Bauklebstoffe

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges machte Dr. Werner Stauf erneut aus der Not eine Tugend: Er entschloss sich, die Hautleimproduktion nicht wieder aufzunehmen. Denn schon seit Jahrzehnten hatten die Geruchsbelästigungen durch die tierischen Abfälle immer wieder zu Konflikten mit Anwohnern und Restriktionen durch die Behörden geführt. Stattdessen entwickelte Dr. Werner Stauf einen neuartigen, aus überflüssigem Wasserglas hergestellten Leim.

Kaltleim „Viskos“ ermöglichte den Wiederaufbau

Mit dem Kaltleim „Viskos“ wurden die Weichen neu gestellt und die Geschichte der Firma STAUF abermals neu geschrieben: Der große Erfolg durch die erstmalige Verwendung synthetischer Rohstoffe schuf die ökonomische Grundlage für den Wiederaufbau der Firma. Und bedeutete einen Umbruch in der Klebstoffindustrie des Siegerlandes. Der Kaltleim „Viskos“ ließ sich zur Verklebung von Holzfaserplatten auf Beton einsetzen. Damit legte Dr. Werner Stauf den Grundstein für die Spezialisierung auf Bauklebstoffe. 

Parkettklebstoff STAUF Rapid-M2A

In der Folgezeit konzentrierte sich Dr. Werner Stauf ganz auf den Aufbau eines Fabrikationszweiges für Dispersionsklebstoffe. 1952 brachte er mit dem „STAUF Rapid-M2A“ den ersten Dispersionsparkettklebstoff zur vollflächigen Verklebung von Parkett auf den Markt. Schon bald gab die Parkettbranche Dr. Werner Stauf die offizielle Bestätigung: Der „STAUF Rapid-M2A“ sei der Kleber, nach dem Experten schon lange Zeit gesucht hatten, um Mosaikparkett auf saugende Untergründe zu verkleben.

1961 bis 1998 Helmut Stauf: Auf Expansionskurs

Helmut Stauf (1934-1998)

wurde wegen des großen Erfolgs seiner lösemittelhaltigen Parkettklebstoffe auch "Mister WFR" genannt.

Als Helmut Stauf 1961 in die Fußstapfen seines Vaters trat, setzte er das Erbe Dr. Werner Staufs fort und richtete die Produkte konsequent auf die Bedürfnisse der Bauwirtschaft aus. Er konzentrierte sich dabei stark auf die Vermarktung der Bauchemie-Produkte im In- und Ausland. Die Firma STAUF entwickelte sich so zu einem führenden Unternehmen im Bereich der Fußbodenklebstoffe.

Parkettklebstoff „WFR“

Die ständigen Weiterentwicklungen erforderten schon bald neue und größere Maschinen. Für deren Anschaffung nutzte Helmut Stauf jedoch kein Fremdkapital: Solche Herausforderungen meisterte er durch Erfindungsgeist und Improvisation. Die Entwicklung des Parkettklebstoffs „WFR“ auf Kunstharz-Lösemittelbasis und der dispersionsbasierten „M2A“-Linie Anfang der 1970er Jahre machten einen größeren Umbau der Produktion notwendig. Durch die Expansion boten die Produktionskapazitäten bei STAUF nun ganz neue Möglichkeiten.

Klebstoff auf PVAc-Dispersionsbasis

In den folgenden Jahren stiegen die Anforderungen an den Anwender- und Verbraucherschutz. Helmut Stauf reagierte auf diese Entwicklung und kreierte Ende der 80er Jahre zwei universell einsetzbare Klebstoffe auf Basis von Polyvinylacetatdispersionen: die Typen „Rapid M2A-712“ und „Rapid M2A-720“. Weitere Verbesserungen in der Verklebung von Parkett konnte die Firma STAUF später durch die Entwicklung von Klebstoff auf Polyurethan-Basis erreichen.

Zubehörartikel kamen ins Sortiment

Um das Lieferprogramm des Unternehmens zu einem aufeinander abgestimmten System für sichere Parkett- und Bodenbelagsarbeiten auszubauen, führte Helmut Stauf ein umfangreiches Sortiment an Zubehörartikeln ein. Für die vielen zusätzlichen Produkte gab es allerdings kaum Platz. Nachdem die Erweiterungsmöglichkeiten bereits durch die Expansion in den 70er Jahren ausgereizt wurden, konnte die dringend erforderliche Ausweitung der Lagerkapazitäten am Standort Siegen nicht umgesetzt werden.

 

 

Umzug nach Wilnsdorf geplant

Als auch die Anlagen Mitte der 90er Jahre erneut hätten erweitert werden müssen, entschloss sich Helmut Stauf, außerhalb der Stadt Siegen nach geeigneten Flächen für einen kompletten Neubau der Klebstofffabrik zu suchen.

Stauf entschied sich schließlich für den Standort im Industriegebiet Lehnscheid in Wilnsdorf mit direktem Autobahnanschluss. Anfang des Jahres 1998 gab der Rat der Gemeinde Wilnsdorf seine Zusage für den Kauf des Grundstückes und den Bau der neuen Klebstofffabrik.

Plötzlicher Tod Helmut Staufs im Jahr 1998

Noch im selben Jahr nahm die Geschichte der Firma STAUF eine unerwartete Wendung. Helmut Stauf verstarb plötzlich. Die Umzugspläne konnten nicht weiter verfolgt werden. Von einem Tag auf den anderen musste der Familienbetrieb neu organisiert werden. Die beiden Söhne Helmut Staufs sind zwar mit der Firma groß geworden, befanden sich aber zu diesem Zeitpunkt noch in der Ausbildung. Ehefrau Siegrid Stauf, die schon seit Jahren als Prokuristin in der Firma tätig war, übernahm gemeinsam mit dem älteren Sohn Wolfgang Stauf die Geschäftsführung.

seit 1998 Wolfgang und Volker Stauf: Die sechste Generation

Volker Stauf (seit 1998)

Siegrid Stauf und ihr Sohn Wolfgang widmeten sich nach dem Tod Helmut Staufs dem Aufbau eigener Vertriebsstrukturen im Ausland und arbeiteten an der Komplettierung des Produktprogramms.
Während bei STAUF Kunden im Inland nun nicht mehr von Handelsvertretern, sondern von fest angestellten Mitarbeitern betreut wurden, brachte das Unternehmen immer neue Produkte auf den Markt.

Neue Technologien

Durch neue Technologien, die stetigen Produktentwicklungen und die Qualitätssicherung der bewährten Produkte reichte bald das Personal nicht mehr aus. Die Mitarbeiterzahl im Labor wurde verdoppelt. Das Siegener Werk erwies sich zunehmend als Kompromiss; inzwischen war die weiter steigende Komplexität der Produktion am alten Standort nur durch ständige Improvisation zu kompensieren. Niedrige und enge Durchfahrten, lange Wege und wenig Platz machten der internen Firmenlogistik zu schaffen.

Neue Anlage für Pulverparkettklebstoff „PPK-880“

Trotz der erschwerten Bedingungen war es möglich, am Standort Siegen eine Produktionsanlage für den Pulverparkettklebstoff „PPK-880“ aufzubauen. Zu Beginn des neuen Jahrtausends allerdings waren endgültig alle Lagerkapazitäten erschöpft. Die kleineren Umbauten, mit denen man bisher kurzfristig Platz schaffen konnte, waren nun nicht mehr möglich.

Umzug nach Wilnsdorf

Im Jahr 2000 stand es dann fest: Die STAUFsche Klebstofffabrik sollte einen neuen Firmensitz bekommen. Im Frühjahr erteilte das Unternehmen den Auftrag zum Neubau in Wilnsdorf.
Am 5. März 2002 fiel durch den symbolischen ersten Spatenstich der Startschuss für das Vorhaben.

Noch im selben Jahr wurde auch Volker Stauf zum Geschäftsführer bestellt. Mit ihm und seinem Bruder Wolfgang Stauf wird das Unternehmen nun in der sechsten Generation familiengeführt.
Der erste Klebstoff lief noch im Oktober desselben Jahres vom Band der neu errichteten Produktionsanlage in Wilnsdorf. Während dort die Anlagen weiter in Betrieb genommen wurden, ließen Volker und Wolfgang Stauf die Leistung im Werk Siegen nach und nach herunterfahren.

Stilllegung des Siegener Werkes

Bis zum Ende des Jahres 2002 lief die Produktion parallel in beiden Werken. Am 16. Dezember 2002 gab es die letzte offizielle Produktion, danach wurde das STAUFsche Werk in Siegen stillgelegt.
Rund zwei Wochen später begann schließlich der Rückbau des alten Standortes. Dabei blieb für die Demontage der Anlagen und Maschinen nicht viel Zeit; einzelne Komponenten wurden noch benötigt, um ihren Dienst am neuen Standort fortzusetzen.

Blick in die Zukunft

Mit der Inbetriebnahme des neuen und der Stilllegung des alten Werkes ist die weitere Entwicklung der Firma STAUF auf ein solides Fundament gestellt. Es gilt nun, sich mit der Ausgestaltung der Zukunft zu beschäftigen. Die Globalisierung stellt Familienunternehmen wie STAUF vor viele Herausforderungen: Das Internet und neue Medien haben eine fast unbegrenzte Transparenz der Märkte geschaffen. Für STAUF liegt die Herausforderung dabei in der Entwicklung neuer Strategien zur Vermarktung hochwertiger Klebstoffe.

Kürzere Bauzeiten

Wohnhäuser und Großobjekte entstehen in immer kürzeren Bauzeiten. Hier sind Produkte gefragt, die bei gleicher Verarbeitungsqualität dennoch dem Verbraucher- und Verarbeiterschutz gerecht werden.
Als reines Familienunternehmen muss sich die Firma STAUF weiterhin auf globalen Märkten behaupten, auf denen große Aktiengesellschaften die Marschrichtung vorgeben. Die sich ständig ändernde Weltlage wird auch die Firma STAUF immer häufiger und vor allem immer direkter beeinflussen. Neben den bewährten Wegen wird die STAUF Klebstoffwerk GmbH nun auch neue Wege zur Erschließung von Auslandsmärkten gehen, ganz nach dem Credo des Vordenkers und Visionärs Dr. Werner Stauf:

„Ein gutes Unternehmen, das bestehen bleiben will, muß jung, dynamisch und beweglich bleiben und täglich neue schöpferische Ideen entwickeln."

Dr. Werner Stauf

 

 

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